Mit dir unter dem weiten Himmel – Heide R. Kling



Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag (24. Januar 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3473585212
Preis: EUR 12,00, als eBook 9,99
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Inhalt
Nach den schrecklichen Ereignissen an ihrer Highschool, wird Paige zu ihrem Vater nach Wyoming geschickt. In der Ruhe der scheinbar unendlichen Weiten und dem Ranchleben, soll sie alles verarbeiten, was sie in letzter Zeit zu tragen hatte. Hier begegnet sie wieder Jack, einem Jungen, den sie noch aus ihrer Kindheit kannte und aus dem ein unglaublich attraktiver Cowboy geworden ist. Die Ausflüge mit ihm und die Krankheit ihres Vaters wirken stark auf Paige und langsam beginnt sie zu vertrauen. Um sich die Last von der Seele zu nehmen, fängt sie an ein Tagebuch zu schreiben und mit jedem neuen Wort, lässt sie die Schuld und den Schmerz aus sich herausfließen.

Meine Meinung
Zuerst sollte wohl gesagt werden, dass man sich nicht von dem Cover auf die falsche Fährte locken lassen sollte. Ja, das Buch beinhaltet eine schöne Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen und einem Cowboy, die auch noch auf einer Ranch spielt. Aber sie ist viel düsterer, als man glauben würde. Denn die Autorin thematisiert hier auch eine ungesunde, wenn auch vergangene Beziehung, Leistungsdruck und Suizid, sowie die Angst geliebte Menschen zu verlieren.

Die Geschichte startet damit, dass Paige gerade die Highschool abgeschlossen hat. Es ist viel passiert, weshalb ihr Zustand nicht der Beste ist. Nur noch aus Haut und Knochen bestehend und als Schatten ihrer Selbst, wird sie von ihrer Mutter nach Wyoming auf die Ranch ihres Vaters geschickt. Dort soll sie Abstand zu Kalifornien und den schmerzlichen Erinnerungen gewinnen und ihrer Seele und Körper Zeit zum Heilen geben. Doch Paige hat ihren Vater schon seit Jahren nicht mehr gesehen, weshalb es sie schockiert zu erkennen, dass der Mann, an den sie sich erinnert, so nicht mehr existiert. Ihr Vater ist schwer krank, und sich dem zu stellen, macht es ihr noch schwerer sich zu öffnen.

Auf der Ranch trifft sie aber auch auf den attraktiven Jack. Er lebt und arbeitet dort und Paige erkennt, dass sie ihm vor langer Zeit schon einmal begegnet war. Seine offene, freundliche und ehrliche Art macht ihn unglaublich sympathisch. Er strahlt etwas überaus beruhigendes aus, was Paiges verletzter Seele hilft, denn er vermittelt den Eindruck, als könnte man sich jederzeit auf ihn verlassen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass zwischen ihm und Paige eine Anziehungskraft herrscht, die mit der Zeit immer stärker wird. Das Schöne ist aber, dass dieser entstehenden Beziehung Zeit gelassen wurde. Die Autorin hat das Tempo so gestaltet, dass Paige sich nicht bedrängt fühlt. Sie kann sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, während sie langsam mehr Nähe zu Jack zulässt.

Als Ich-Erzählerin gibt Paige ihre Geschichte auf zwei Zeitebenen wieder. So gibt es die Gegenwart, in der sie auf der Ranch ist und ihre Tage mit ihrem Vater und Jack verbringt. Es gibt aber auch die Vergangenheit, die sie durch Tagebucheinträge wiedergibt. Darin erzählt sie von Schülern an ihrer Schule, die sich das Leben nahmen und von der verbotenen Beziehung zu ihrem Stiefbruder Ty, die als Nervenkitzel begann und als Alptraum endete.

Paiges Rückblick zeigt viel Dramatik auf, die aber doch realistisch erscheint. Sie erzählt von Schülern, die unter enormen Leistungsdruck stehen und ihre Versagensängste vor Augen haben, die dem nicht mehr standhalten können, weshalb sie keinen anderen Ausweg als den Suizid sehen. Vielleicht können dies nicht alle verstehen, denn nicht alle leben mit dem Druck erfolgreich sein zu müssen. Doch es gibt Familien, wo Kindern mit dem Glauben aufgezogen werden, nur etwas wert zu sein, wenn bestimmte Ziele erreicht werden. Gelingt dies nicht, fühlen sie sich als Versager und entkommen dem nur durch den Tod. Dann ist da noch die ungesunde Beziehung, die Paige eingeht und am Ende bereuen muss. Es beginnt als etwas Verbotenes, was viel Aufregung mit sich bringt, doch schon bald kann sie dem nicht mehr entrinnen, denn die Suche nach Nähe und das Verlangen bringen sie in unmögliche Situationen. Vor allem fordert diese Beziehung mehr, als sie geben kann und will, was sie zu Entscheidungen drängt, die sie unmöglich treffen kann.

Die Autorin schafft durch das Vergangene eine unglaubliche Schwere, die sie aber durch Jacks gegenwärtige Leichtigkeit und Zuversicht ausgleicht. Er schenkt einem das Gefühl von Wärme und Geborgenheit, ohne ein absolut perfekter und fehlerfreier Charakter zu sein. Zum Ende hin überrascht die Autorin aber auch durch einen weiteren Schicksalsschlag, der den Protagonisten zusätzliche Kraft abverlangt und viel Schmerz mit sich bringt. Doch die Realität kann nun mal unglaublich grausam sein, man darf nur nicht an ihr zerbrechen.

Fazit
Man würde niemals vermuten, dass dieser Roman so viele schwere, traurige und überaus emotionale Komponenten besitzt, die sich am Ende in der Geschichtet tatsächlich wieder finden. Der Eindruck einer leichten Lovestory bereitet keinesfalls auf die eindringliche und realistische Hand vor, die einem Saures gibt und zu Tränen rührt. Heidi R. Kling gelingt es dem Leser das Herz zu zerschlagen, ihn aber auch hoffnungsvoll zu entlassen. Es ist keine leichte Lektüre für zwischendurch, sondern ein Buch, das zerstört und wieder aufbaut.

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